Progressive Web Apps: Die bessere Alternative zur Native App?

technology, inspiration 4 Min. Lesezeit Sydney Luca-Lion

Sie wird als innovative Hybridlösung zwischen Website und App angepriesen – doch was hat es mit der Progressive Web App (PWA) genau auf sich? Wie unterscheidet sie sich von einer nativen App? Und gehört ihr wirklich die Zukunft? Die Antworten dazu gibt's im Interview mit unserem technischen Leiter.

<strong>Progressive Web Apps</strong>: Die bessere Alternative zur Native App?

Höchste Zeit für ein Interview

Eventuell ist Ihnen der Begriff «Progressive Web App» bereits über den Weg gelaufen – denn er taucht im Digitalbereich mehr und mehr auf. Wenn Sie dabei nur Bahnhof verstanden haben, geht es Ihnen gleich wie mir. Ich (Researcherin) konnte das aber nicht auf mir sitzen lassen – schliesslich entwickeln wir bei Eyekon selbst PWAs für unsere Kunden. Aus diesem Grund habe ich Jonas Fahrni (Eyekon’s Technologieleiter) zu einem Interview genötigt.

Die Grundlagen zur Progressive Web App

Sydney: Zu Beginn eine grundlegende Frage: Was ist eine PWA? Wie unterscheidet sich eine PWA von einer Website oder einer nativen App?

Jonas: Sie liegt irgendwo in der Mitte von beiden – im Wesentlichen eine Website, die sich wie eine native App verhält. Der Benutzer hat das Gefühl, eine native App zu verwenden, aber technisch gesehen ist es eine Website. Dabei geht es primär um die Art der Nutzung: Bedienelemente, Touch-Elemente und Funktions-Buttons, statt einer klassischen Navigation. Animation und Nachladen von Inhalten statt Reloads. Halt all das, was eine App ausmacht.

S: Man könnte also sagen, weder Fisch noch Vogel. Was sind denn die Vorteile einer progressiven Webanwendung?

J: Die Intuitives Benutzererlebnis (holt sein Smartphone heraus und öffnet die PWA «AstroRara» der ETH-Bibliothek). Schau, sie reagiert auf Berührung, du kannst also wie in einer App navigieren. PWAs sind intuitiver als Websites, aber genau so einfach zugänglich – man muss sie im Gegensatz zu nativen Apps nicht zuerst aus dem App-Store laden und installieren. Eine URL genügt. Dann fügt man die PWA zum Startbildschirm hinzu, so dass sie unter all deinen nativen Apps erscheint. Dieser Umstand macht auch für Auftraggeber und Entwickler vieles einfacher:

Die Veröffentlichung in diversen App-Stores, und die damit zusammenhängenden Gebühren, fallen weg. Wird etwas geändert oder aktualisiert, ist es automatisch live. Der Benutzer braucht keine Updates zu installieren. Mein Fazit also: Zugänglicher, schneller und einfacher.

Klingt interessant. Als Kunde würden mich aber auch die Kosten interessieren. Sind PWAs günstiger als native Apps?

Grundsätzlich ja – denn man hat nicht eine technisch eigenständige Website plus App, die separat gebaut und befüllt werden müssen. Eine Native App kann normalerweise nicht auf dem Desktop genutzt werden, es braucht also eigentlich immer noch eine Website. Das ist etwa so wie im Film Contact : «Warum nur eine Anlage bauen, wenn man zum doppelten Preis zwei haben kann?» (mit Jodie Foster, 1997; In einer Szene wird der erste (sehr teure) Raumtransporter in die Luft gesprengt, doch dann enthüllt der todkranke Milliardär S. R. Hadden, dass er unbemerkt einen zweiten hat bauen lassen, nur für den Fall.)

Hohe Geldsummen «nur für den Fall» auszugeben, ist nicht unbedingt etwas, was wir empfehlen. Hinzu kommt, dass Unternehmen, die sowohl eine Website als auch native Apps betreiben, für den Unterhalt beider bezahlen müssen.

Stellenwert in der Digitalen Welt

Also spricht vieles für eine PWA. Wie sieht es in der Realität aus? Kommen Kunden zu dir und wünschen sich eine PWA?

Nein, leider sind PWAs bei den Kunden nicht wirklich auf dem Radar. Gerade im Marketing gilt eine native App noch immer als Nonplusultra – das beste Mittel, um Zielgruppen über mobile Devices zu erreichen. Dabei bietet eine PWA auch hier Vorteile: Sie ist über Suchmaschinen auffindbar, man kann die Auffindbarkeit, und somit Zugriffe, direkt über die Inhalte optimieren (SEO) und auswerten. Sie kann für sich selbst werben. Um hingegen eine native App zu vermarkten, muss man im Grunde genommen Werbung machen, die zu einer Website führt, die dann zum App-Store weiterleitet. Etwas umständlich, nicht?

Wenn etwas zu gut tönt, um wahr zu sein, werde ich skeptisch. Sicherlich gibt es auch Nachteile?
Aus technologischer Sicht gibt es nur wenige Dinge, die eine PWA nicht kann, wie auf Kontaktlisten oder Bluetooth zugreifen. Um auf sensible Daten des Smartphones zuzugreifen, braucht es meist eine Native App. Viele Sensoren wie die Standortbestimmung und Accelerometer können aber auch mit einer PWA ausgelesen werden.

Das weit grössere Problem ist eine falsche Erwartungshaltung. Der User erwartet, dass eine App vom HomeScreen aus gestartet wird. Um eine PWA aber als App auf dem Screen des Smartphones abzulegen, benötigt es einige Schritte. Android kommt hier entgegen, und weist den User beim Besuch einer PWA-Website automatisch auf die Add-to-Homescreen-Option hin.

iOS ist hingegen weniger kooperativ. Eigentlich ironisch, denn damals in 2007 sprach Steve Jobs über die Entwicklung «mobiler Webanwendungen» (die heutige PWA) statt «nativer Anwendungen».

Zum entsprechenden Youtube-Video geht's hier.

Heutzutage ist Apple aber einer der grössten «Blocker» für PWAs. Das führt dazu, dass wir uns noch immer ausschliesslich an die Verwendung nativer Apps gewohnt sind. Für ein Unternehmen ist es einfacher, seinen Kunden sagen zu können: «Gehen Sie zum App-Store und laden Sie unsere App herunter.»

Was die Zukunft bringt

Könnte sich der Stellenwert von PWAs in Zukunft ändern?

Ich glaube, dass die Grenzen zwischen PWAs und Websites verschmelzen werden – bereits jetzt bemerken wir, dass immer mehr Websites auftauchen, die Vorteile von nativen Apps nutzen. Mit der fortschreitenden Webentwicklung werden sich auch die PWAs weiterentwickeln, und damit die Nutzungsgewohnheiten und -Erwartungen. Die Herausforderung besteht lediglich darin, die Vorteile zu kommunizieren. Bei Eyekon werden wir unseren Kunden auf jeden Fall weiterhin PWAs ans Herz legen.

Möchten Sie eine PWA für Ihr Unternehmen oder Projekt zu entwickeln? Oder einfach nur die Vorzüge von PWAs gegenüber nativen Anwendungen diskutieren? Jonas Fahrni steht Ihnen gerne zur Verfügung.