Historische Astronomie interaktiv erleben

Astronomie Web-App für die ETH-Bibliothek

Hintergrund

Die ETH-Bibliothek ist die grösste öffentlich-naturwissenschaftliche und technische Bibliothek der Schweiz. Unter ihren 8 Millionen Titeln befinden sich heute über 75'000 Bände an Monografien und Zeitschriften, die zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert veröffentlicht wurden. Inhaltlicher Kern dieser Sammlung bilden Werke mit astronomischem und mathematischem Inhalt.

Case AstroRara Responsive Design

Funktion und Zielsetzung

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie Forscher früher Himmelsereignisse beobachteten und dokumentierten? AstroRara zeigt, wie in alten und seltenen Drucken dargestellte Abbildungen und Instrumente ursprünglich zur Nutzung gedacht waren. In einem ersten Schritt können User auf interaktive Art und Weise die Werke der Astronomen Peter Apian (1495–1552), Christoph Scheiner (1575–1650) und Johannes Hevelius (1611–1687) entdecken. Weitere werden folgen.

So soll AstroRara der wissenschaftsinteressierten Öffentlichkeit einen niederschwelligen Zugang zu astronomischen Themen sowie astronomischen Instrumenten bieten (Access), Rara-Inhalte bekannter machen (Outreach) und sie zu Lernzwecken attraktiv aufbereiten – gerade auch für Lehrpersonen oder Forscher.

Case AstroRara

Interaktivität und Accessibility

Die spannende Visualisierung der Werke nimmt deshalb eine zentrale Rolle ein. Mittels interaktiver Animation erhalten die digitalen Illustrationen eine neue Dimension, und dadurch einen Mehrwert gegenüber den physischen Originalen: Sie werden auf einen Blick in einen sinnvollen Kontext gebracht, der sonst nur beim physischen Kontakt mit den Büchern ersichtlich wäre.

Daneben liefern ergänzende Texte zu Autoren und Werken zusätzliche Hintergrundinformationen, auch verfügbar zum Anhören als Audio-File. So hat der User die Möglichkeit, mehr über die Werke zu erfahren, während er sie bedient. Zudem wird dank Audiospur der Zugang für sehbehinderte Personen erleichtert. Sämtliche Inhalte sind auf Deutsch und Englisch verfügbar.

Case AstroRara Mobile Screens

Konsequenter Fokus auf Touch

Um nebst visueller und auditiver Komponente auch ein haptisches Erlebnis zu simulieren, wünschte sich die ETH-Bibliothek anfangs eine native App. Im Ausschreibungsverfahren wurde jedoch gemeinsam entschieden, stattdessen auf eine Progressive Web App (PWA) zu setzen – hauptsächlich, um das gesamte Device-Spektrum abzudecken: die PWA ist im Vergleich zu einer nativen App auch auf Desktop verfügbar. Zu den weiteren Vorteilen gehört die Indexierbarkeit für Suchmaschinen und die relativ unkomplizierte Aktualisierung ohne langwierigen Deployment- Prozess.

Für eine optimale User Experience wurde die Touch-Bedienung konsequent in den Vordergrund gestellt, ermöglicht durch die Touch-Library hammer.js. Als Single Page Framework steht Vue.js im Einsatz. Auf dieser Basis lassen sich komplexe, interaktive Animationen aufbauen. Paradebeispiel ist Apians Astronomicum Caesarium: Sowohl die drehbare Himmelsscheibe, als auch der hauchdünne Messfaden können bedient werden – wie im Original.

Case AstroRara Design

Offlinefähig und durchgängig verfügbar

Um nebst der Touch-Navigation das Feeling einer «echten» App abzurunden, wurde die Möglichkeit geschaffen, AstroRara komplett auf dem Mobilgerät zu installieren. Nach dem Ablegen auf dem Homescreen können über einen Caching-Button im Impressum alle Daten heruntergeladen werden, wodurch AstroRara auch offline zur Verfügung steht.

Die Add-To-Homescreen-Option wird von Android-Geräten über die native Funktion des Betriebssystems selbständig vorgeschlagen – auch anderweitig wird wo immer möglich auf native Funktionen zugegriffen. Die Umsetzung auf iOS gestaltete sich erwartungsgemäss aufwändiger, mit wenigen Fallback-Funktionen konnte aber trotzdem das Maximum herausgeholt werden. Auf Desktop werden alle modernen Browser unterstützt. IE11 wurde bewusst ausgeschlossen, da der Browser am Ende seines Lebenszyklus angelangt ist.

Ausblick

Für die kommenden Jahre ist geplant, die Inhalte von AstroRara um weitere Darstellungen aus unterschiedlichen Werken zu erweitern, so dass sich die App kontinuierlich als Ergänzung zum komplexen Archiv von E-Rara etablieren kann. Weitere Themenblöcke folgen bereits ab Mitte 2020.