User Research und nutzerzentrierter Ausbau für die UniLU. Evolution statt Revolution
Mit rund 3'800 Studierenden und 84 Professuren zählt die Universität Luzern zu den kleineren Hochschulen der Schweiz – und gerade das erlaubt ihr eine besondere Nähe zu den Studierenden und Dozierenden und allen weiteren Zielgruppen. Im Jahr 2021 modernisierten wir die Website der Universität Luzern erstmals grundlegend. Damals lag der Fokus auf einer markenzentrierten Präsentation im Rahmen des damals neu entwickelten Corporate Designs.
Seitdem sind die Anforderungen externer und interner Stakeholder an die Website stetig gewachsen. Diese reichten von funktionalen Erweiterungen über strukturelle Anpassungen bis hin zu einer benutzerfreundlichen Gestaltung. Die Universität Luzern wollte ihre Website daher gezielt weiterentwickeln und optimieren. Die zentrale Zielsetzung des Projekts bestand darin, die Website an den realen Bedürfnissen der verschiedenen Nutzergruppen auszurichten.
Der Einbezug der zentralen Stakeholder und Nutzergruppen war ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Projekt. Im Rahmen eines Vorprojekts haben wir konsequent mit einem human-centered Ansatz gearbeitet und auf eine Kombination aus qualitativen und quantitativen Methoden gesetzt. Über Online-Umfragen, Interviews und Stakeholder-Workshops konnten wir ein klares Bild der Zielgruppen und ihrer Anforderungen gewinnen. Gemeinsam mit Studierenden und weiteren Beteiligten entwickelten wir in einem ko-kreativen Prozess eine User Story Map und eine klare Produktvision, die als Grundlage für die anschliessende Konzeptphase dienten.
Ausgehend von der gemeinsam entwickelten Vision positioniert sich die Universität Luzern heute mit ihrer Website als digitaler Hub, der Information, Interaktion und Services intelligent miteinander verknüpft und allen Zielgruppen eine individuelle Orientierung bietet. Besonders im Fokus standen dabei die Studieninteressierten: Ihr Weg von der ersten Recherche bis zur Studienanmeldung sollte so klar und verständlich wie möglich gestaltet werden.
Ein zentrales Hindernis lag in der bisherigen Informationsarchitektur, die stark an der internen Organisationsstruktur ausgerichtet war. Dies erschwerte es insbesondere externen Nutzergruppen, die für sie relevanten Inhalte rasch zu finden. Um dem entgegenzuwirken, wurden kontextbasierte Navigationsmodelle entwickelt, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzergruppen Rechnung tragen und sich bewusst von der bisherigen Struktur lösen.
Um der Vielfalt der Nutzerbedürfnisse gerecht zu werden, wurden für jede Zielgruppe spezifische Landingpages entwickelt. Diese Hubpages dienen als zentrale Einstiegspunkte und bieten einen strukturierten Zugang zu den jeweils relevanten Inhalten. Die Nutzerinnen und Nutzer werden dabei gezielt durch kuratierte Linksammlungen mit Themen rund um die UniLu geführt, die sie über ein integriertes Finder-Modul individuell filtern können. So finden etwa Studieninteressierte schnell und unkompliziert alle Informationen, die sie auf dem Weg zur Studienanmeldung benötigen.
Darüber hinaus wurden spezialisierte Finder-Tools eingeführt, die Informationen aus den Tiefen der Website intelligent bündeln. Durch den Einsatz von Facettensuchen lassen sich beispielsweise Personenprofile gezielt suchen und anzeigen. Ergänzt wird das Navigationskonzept durch eine deutlich verbesserte Suchfunktion mit Live-Suche und automatischen Vorschlägen, die das Auffinden relevanter Inhalte nochmals vereinfacht.
Aufbauend auf den entwickelten Konzepten wurden in einer ersten Design-Phase klickbare Prototypen erstellt, die wir in gezielten User Acceptance Testings mit Vertreter:innen der Zielgruppen überprüften. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lieferten wertvolle Hinweise und bestätigten zugleich zentrale Annahmen – insbesondere in Bezug auf die Informationsarchitektur und die spezifischen Inhalte der Zielgruppenseiten.
Ergänzend zu den Optimierungen der Desktop-Version wurde auch die mobile Nutzung gezielt adressiert: Mit der Entwicklung einer ersten Version der Studi-App, dem sogenannten "UniLU Hub", wurde ein weiterer Baustein der nutzerzentrierten Strategie umgesetzt. Die App basiert auf einem PWA-Ansatz und bietet Studierenden eine kompakte, zentral zugängliche Plattform für relevante Informationen und Services. Auch wenn der Funktionsumfang zum Start bewusst schlank gehalten wurde, markiert die Einführung einen wichtigen Schritt hin zu einer konsistenten Nutzererfahrung über alle Endgeräte hinweg.
Die technische Realisierung erfolgte gemeinsam mit dem Backend-Partner Visol. Die Plattform basiert auf TYPO3 als CMS. Zusätzlich wurden System-Updates durchgeführt und Kubernetes zur Container-Orchestrierung eingeführt.
Mit dem Relaunch hat sich die Website der Universität Luzern von einem primär markenzentrierten Auftritt hin zu einem vielseitigen, nutzerorientierten Informations-Hub entwickelt. Das Projekt zeigt, wie durch methodisch fundierte Nutzerforschung, enge Zusammenarbeit mit Stakeholdern und einen konsequent partizipativen Ansatz eine digitale Plattform entstehen kann, die den Ansprüchen unterschiedlichster Zielgruppen gerecht wird.