Schnell, effizient und konsistent auf Veränderungen reagieren: kein digitales Produkt ohne Design System

marketing, business, technology 10 min Lesezeit Adrian Nussbaum

In einer Welt, in der sich die Anforderungen an digitale Produkte ständig verändern, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, Flexibilität und Konsistenz zugleich sicherzustellen. Doch wie lässt sich dieser Spagat meistern? Die Antwort liegt in einem integralen Design System. Es sorgt für Effizienz und Speed im Design- und Entwicklungsprozess und gewährleistet gleichzeitig eine konsistente User Experience – ein wichtiger Schlüssel zum digitalen Erfolg.

<strong>Schnell, effizient und konsistent auf Veränderungen reagieren:</strong> kein digitales Produkt ohne Design System

Wie schaffen wir Konstanz in einer sich dauernd wandelnden Welt?

Digitale Produkte stehen heute unter enormem Innovationsdruck. Sie müssen schneller denn je live gehen, laufend angepasst und kontinuierlich verbessert werden. Neue Funktionen, wechselnde Nutzerbedürfnisse und technologische Entwicklungen fordern agile Prozesse – und das nicht einmalig, sondern permanent.


Typische Szenarien? MVP-basierte Launches, iterative UX-Optimierungen, mehrsprachige Erweiterungen, gesetzliche Anforderungen oder neue Touchpoints wie Apps oder Webtools. Gleichzeitig erwarten User eine durchgängige, intuitive Experience – unabhängig von Kanal oder Gerät.


Diese Dynamik bringt Teams an ihre Grenzen: Jedes neue Feature wird zur Einzelfallentscheidung, jede Anpassung zur Abstimmungsrunde. Markenbotschaften verwässern, UX-Konzepte fransen aus, Entwicklungsprozesse stocken. Genau hier setzt ein Design System an.

Unternehmen brauchen eine strategische, skalierbare Design-Basis

Um digitale Produkte zukunftsfähig zu machen, braucht es mehr als punktuelle Optimierungen. Gefordert sind ganzheitliche Lösungen, die strategisch greifen, operativ funktionieren und langfristig skalieren. Teams müssen schneller zusammenarbeiten, Silos überwinden und auf ein gemeinsames Verständnis von Marke, User Experience und technischer Machbarkeit zurückgreifen können. Dafür braucht es ein gemeinsames Regelwerk, eine verlässliche Infrastruktur und eine Praxis, die den steten Wandel nicht nur abbildet, sondern aktiv unterstützt – ein Design System umfasst all diese Aspekte.


Im Folgenden beleuchten wir daher, wie Design Systeme die Basis für nachhaltige digitale Produkte bilden – und wie Unternehmen damit den Grundstein für langfristigen Erfolg legen.

Mehr als eine Bibliothek von Komponenten

Manche verstehen unter einem Design System lediglich eine Ansammlung von UI-Bausteinen – etwa Buttons, Farben oder Schriftstile. Tatsächlich ist ein Design System jedoch weitaus mehr: Es vereint Design, Strategie, Technologie und Branding zu einem lebendigen Ganzen, das kontinuierlich gepflegt und weiterentwickelt wird.


Bei Eyekon gehen wir mit Design Systemen noch darüber hinaus, indem wir zusätzlich technische Prozesse, Teamworkflows und Branding-Strategien einbinden. On top kommen noch Governance, Roadmaps und Dokumentations-Tools wie Storybook oder Figma-Prototypen hinzu.


Damit ein Design System sein volles Potential entfalten kann, setzt es sich aus mehreren, klar definierten Bausteinen zusammen:

  • UI-Komponenten: Wiederverwendbare Bausteine wie Buttons, Formulare, Navigationselemente
  • UX-Pattern und Bedienkonzepte: Universelle wie auch spezifische Vorgaben, wie Informationen und Daten dargestellt und dem User verständlich und zugänglich gemacht werden – inklusive konzeptioneller Leitlinien zur Strukturierung von Navigationen oder zur Interaktion mit komplexen UI-Elementen.
  • Styleguides: Definierte Gestaltungsrichtlinien (Farben, Typografie, Iconographie), die das Markenbild prägen
  • Dokumentation: Ein zentraler Ort, an dem Aufbau, Einsatz und Varianten der Komponenten beschrieben werden
  • Regeln und Prozesse: Festgelegte Abläufe, wie neue Elemente hinzugefügt, geprüft oder aktualisiert werden
  • Technische Tools und Schnittstellen: Tools wie Figma (für kollaboratives Design), Storybook (für dokumentierte UI-Komponenten), Chromatic (für automatisiertes Testing oder GitHub (für Versionierung und Deployment) bilden die technische Infrastruktur eines Design Systems.

Diese Bausteine wirken zusammen: UI-Komponenten sorgen für schnellen Einsatz, Richtlinien und Prozesse ermöglichen langfristige Erweiterbarkeit.

Wiederverwendbare Design-Komponenten verkürzen den Weg von der Idee zur Umsetzung. So sind Kampagnen und Features schneller live – und Unternehmen bleiben stets wettbewerbsfähig.

Design Systeme entfalten ihre Stärken durch komponentenbasiertes Design, auch Component-Driven Design genannt: Jede Komponente ist ein eigenständiger, wiederverwendbarer Baustein – vom Icon über das Formular-Element bis zum komplexen Header-Organismus. Diese Bausteine werden in Tools wie Figma oder Storybook modular gepflegt, versioniert und im Code abgebildet. In der Praxis beurteilen und nehmen Kunden selten einzelne Komponenten ab, da diese für sich stehend sehr abstrakt wirken. Wir orchestrieren die Komponenten in realistischen Seitenlayouts und diversen Zuständen, um sie intern und mit Stakeholdern zu validieren. So schliessen wir die Lücke zwischen atomarer Designarbeit und der erlebbaren Gesamtlösung – und liefern genau das Ergebnis, das später auch online geht.

Die Symbiose von Design und technischen Lösungen – Design trifft Entwicklung

Ein Design System ist eine gemeinsame Arbeits­plattform für alle Disziplinen. Designer:innen definieren User-Flows, Interaktions­muster und die visuelle Sprache, Entwickler:innen giessen diese Vorgaben in robusten, performanten Code. Damit dieser Austausch reibungslos funktioniert, braucht es klar geregelte Workflows – von der ersten Skizze über das Versionieren von UI-Komponenten bis zum automatisierten Roll-out in die Produktiv­umgebung. Erst wenn alle Beteiligten dieselben Ziele, Prozesse und Verantwortlichkeiten verinnerlicht haben und über eine geteilte Toolbox arbeiten, kann ein Design System seine volle Wirkung entfalten.

Eine gemeinsame Sprache in Code, Design und Prozessen führt zu enger Abstimmung zwischen den Teams – so entstehen Lösungen, die überzeugen, technisch sauber und schnell auf dem Markt sind.

Die Integration geeigneter Werkzeuge verbindet Design, Entwicklung und Dokumentation. Dazu gehören u. a.:


Figma Tokens: Tokens ermöglichen es, Design-Parameter wie Farben, Schriftgrössen oder Abstände zentral zu definieren und automatisiert an Entwicklungsteams zu übergeben. Sie bilden die Basis für konsistente Gestaltung und sind direkt im Code anwendbar – unabhängig vom verwendeten Tool.

Figma Tokens eines Buttons bei unserem Projekt Carmarket

Ändert sich in Figma ein Farb-Token, veranschaulicht die Visualisierung unten, wie diese kleine Anpassung sofort die verknüpfte Button-Komponente aktualisiert und sich nahtlos auf die gesamte Seite auswirkt. Damit wird die Kette von Token zu Komponente bis zur Seite transparent und zeigt, wie ein zentraler Stellhebel das komplette Erlebnis synchron auf den neuesten Stand bringt.

Automatisierter Anpassungsprozess bei Änderung eines Farb-Tokens

Storybook: Für die Entwicklung und Dokumentation von UI-Komponenten ist Storybook ein unverzichtbares Werkzeug. Es erlaubt Entwickler:innen, Komponenten isoliert zu betrachten, zu testen und zu dokumentieren – inklusive aller Varianten und Interaktionen.


Chromatic: Aufbauend auf Storybook wird die komplette Komponenten­bibliothek in der Cloud gespeichert. Chromatic erstellt automatisch Bild-Vergleiche, um schon kleinste Layout-Änderungen sofort sichtbar zu machen, und stellt zu jedem Update eine Vorschau­umgebung bereit.


GitHub: Als Versionierungssystem schafft GitHub die Grundlage für kollaborative Entwicklung. In Verbindung mit CI/CD-Pipelines lassen sich Änderungen an Komponenten und Styles effizient verwalten und kontrolliert ausrollen.

Der Weg zum Design System

Design Systeme sind nie statische Produkte, sondern lebendige Prozesse. Bei Eyekon haben wir einen iterativen, praxiserprobten Workflow entwickelt, der den Aufbau, die Einführung und die kontinuierliche Weiterentwicklung eines Design Systems abbildet. Der gesamte Prozess folgt einem zyklischen Prinzip – von der ersten Analyse über Design und Umsetzung bis hin zum Testing und wieder zurück an den Anfang.


Jede Phase baut auf der vorangegangenen auf, erlaubt aber auch Rücksprünge, Korrekturen und flexible Anpassungen – ganz im Sinne agiler Produktentwicklung. Die folgenden sechs Schritte bilden die Grundlage unseres methodischen Vorgehens:

01 Anforderungen analysieren
Stakeholder einbeziehen, Anforderungen und Erwartungen identifizieren, analysieren und priorisieren.


02 Ziel, Vision und Umfang festlegen
Erste Skizzen und Lo-Fi Wireframes anhand einer Storymap und Vision/Roadmap erarbeiten.


03 Ideen konkretisieren
Auf Basis von Wireframes können Komponenten und Module erkannt und definiert sowie UX-Pattern bestimmt oder entworfen werden.


04 Konsistenz in Visueller und Konzeptioneller Systematik schaffen
Anhand von konkreten Ansichten und Situationen werden die Designsprache und die benötigten Komponenten in allen Ausprägungen entsprechend erarbeitet.


05 Komponenten, Regeln und Vorgaben umsetzen
Nach detaillierter Prüfung und Abstimmung mit allen relevanten Stakeholdern kann eine erste Version der Stile, Komponenten und UX-Spezifikationen final ausgearbeitet werden.


06 Fortlaufende Entwicklung und Testing direkt in Frontend-Code
Alle Elemente werden fortlaufend als Frontend-Code entwickelt und dabei im Kontext von entscheidenden Momenten entlang der Customer Journey gründlich getestet. Die neuen Elemente können so laufend zur Verwendung in der App-Entwicklung bereitgestellt werden.

Das Herzstück jedes erfolgreichen Produkts

Ein gutes Design System ist also mehr als nur ein Set von Komponenten, Regeln und Tools – es ist der strategische Rahmen, der Markenführung, Nutzererlebnis und technologische Umsetzung miteinander vereint. Es schafft Klarheit für Teams, Skalierbarkeit für Produkte und Vertrauen bei Nutzer:innen. Wer heute digital erfolgreich sein will, baut auf ein System, das Wandel nicht nur mitmacht, sondern aktiv mitgestaltet.


Nutzen Sie unsere kostenlose Checkliste, um den Status Ihres bestehenden Designs zu prüfen und gezielte Optimierungspotenziale zu erkennen. Egal, ob Styleguide, Design-Komponenten oder komplex integriertes System – das Dokument hilft Ihnen, Typ, Reifegrad und die erforderlichen Schritte klar zu bestimmen.


Wir helfen Ihnen bei der Entwicklung, Implementierung und Optimierung eines nachhaltigen und integrierten Design Systems. Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie Ihr Unternehmen von unserem strukturierten Ansatz profitieren kann.​

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